Energie- und Technikpark nachhaltiges Gewerbegebiet

MUUEEF foerdert ETP

Bild: Trier Reporter

Erfolg für das Ecoliance-Mitglied Stadtwerke Trier (SWT):
Das Umweltministerium Rheinland-Pfalz fördert den neuen Energie- und Technikpark in Trier. Die Nachhaltigkeit des entstehenden Gewerbegebiets könnte laut Ministerin Ulrike Höfken eine Blaupause werden.

Ein Pilotprojekt mit Vorbildcharakter, da waren sich Christian Reinert, Architekt der Stadtwerke Trier (SWT), und Ulrike Höfken, Umweltministerin des Landes Rheinland-Pfalz, sicher. Es ist das größte aktuelle Projekt der SWT: 15 bis 20 Millionen Euro investieren sie in den Bau ihres Energie- und Technikparks in Trier.

Der Energie- und Technikpark soll gemäß der Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen (DGNB e. V.) als nachhaltiges Gewerbegebiet zertifiziert werden. Im Beisein von Gästen überreichte Ministerin Ulrike Höfken am 29. Januar den Förderbescheid in höhe von 15.000 Euro an die beiden SWT-Vorstände Arndt Müller und Olaf Hornfeck.

„Der Gebäudesektor ist deutschlandweit für etwa ein Drittel der Kohlendioxid-Emissionen verantwortlich. Zum Schutz des Klimas haben wir uns daher zum Ziel gesetzt, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand im Land zu erreichen“, erklärte Energie- und Umweltministerin Ulrike Höfken bei der Förderbescheidübergabe in Trier. Die Planung und Zertifizierung des Energie- und Technikparks bilde eine Blaupause für ein umfassendes Nachhaltigkeitskonzept: Von der Verwendung umweltschonender und regionaler Baustoffe über die Energieversorgung durch Sonne und Wärme aus dem benachbarten Klärgas-Blockheizkraftwerk  bis hin zu einer guten Erreichbarkeit für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch öffentliche Verkehrsmittel, erläuterte Höfken.

"Die Stadtwerke verfolgen bei der Entwicklung des Energie- und Technikparks ein nachhaltiges und ressourceneffizientes Konzept - von der Gebäudegestaltung über die Informationstechnologie bis hin zu den Arbeitsabläufen. Somit schafft die anspruchsvolle Zertifizierung als nachhaltiges Gewerbegebiet einen guten Leitfaden für die weitere Projektentwicklung“, erläutert SWT-Technikvorstand Arndt Müller.

Die Zertifizierung, deren Gesamtkosten bei rund 50 000 Euro liegen, erfolgt in einem 3-Phasen-Modell: In der ersten Phase bis Anfang 2018 durchläuft die Projektplanung einen sogenannten Pre-Check mit dem Ziel, ein Vorzertifikat zu erhalten. Für die zweite Zertifizierungsphase ab Mitte 2018 müssen mindestens 25 Prozent des Hochbaus abgeschlossen sein. Dann liegt der Fokus auf der Zertifizierung der Planungs- und Erschließungsaufgaben. In der dritten Zertifizierungsphase ab Mitte 2019 wird dann nach Abschluss aller Hochbaumaßnahmen das Gesamtquartier gemäß der Anforderungskriterien des ausgewählten Zertifizierungskatalogs überprüft.

Die Zertifizierung zeichnet sich u.a. durch eine ganzheitliche Betrachtung von Ökonomie, Ökologie und dem sogenannten ‚Nutzerkomfort‘ aus. „Ein Schwerpunkt liegt beispielsweise auf dem Wohlbefinden der Gebäudenutzer. Davon profitieren insbesondere die Mitarbeiter, die in Zukunft ihren Arbeitsplatz an dem gemeinsamen Betriebshof von Stadt und Stadtwerken haben werden

Mit der DGNB Zertifizierung werden folgende Ziele verfolgt:

  • Verbesserung der Aufenthaltsqualität und Infrastruktur für Mitarbeiter.
  • Verbesserte Ökobilanz und geringere Lebenszykluskosten.
  • Vernetzung mit der Umgebung.
  • Sicherstellung einer Durchmischung bei Gewerbequartieren.
  • Bildung von Synergien und geschlossenen Kreisläufen.

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Ausgangspunkt des Projektes: Das Hauptklärwerk Trier

Die Stadtwerke Trier (SWT) betreiben im Norden von Trier ihr Hauptklärwerk für die Stadt Trier und Umgebung. Auf einer Fläche von rd. 60.000 m² werden derzeit jährlich rd. 8,1 Mio. m³ Abwasser in mehreren technisch aufwändigen Stufen, zuerst mechanisch, dann biologisch, gereinigt und anschließend dem natürlichen Wasserkreislauf, durch Einleitung in die Mosel zurückgegeben.

Durch eine Energieeffizienzinitiative der SWT konnte in den letzten sechs Jahren der Stromverbrauch des Hauptklärwerks um mehr als 20 % gesenkt werden. Durch den Bau eines zweiten Klärgas-Blockheizkraftwerkes (BHKW), von Photovoltaik-Anlagen (PV) auf den Betriebsgebäuden sowie einer Wasserkraftanlage im Reinwasserablauf konnte die Strom-Eigenerzeugung soweit gesteigert werden, dass das Klärwerk seit 2016 seinen Energiebedarf über das Jahr betrachtet bilanziell vollständig selbst CO2-neutral durch Eigenerzeugung decken kann. Das Erreichen der bilanziellen Energieneutralität – die von der Abteilung Wasserwirtschaft des MUEEF gefördert wurde - wurde im Februar  2016 Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Umweltministerin Ulrike Höfken vorgestellt. In der Folge wurden weitere Optimierungsmaßnahmen durchgeführt. Ziel der Maßnahmen ist es, die Abwasserreinigung auf einem hohen Niveau sicherzustellen und gleichzeitig Überschüsse an Wärme und Strom zu erwirtschaften und für den angrenzenden Energie- und Technikpark zu nutzen. Durch die Optimierung des biologischen Reinigungsprozesses über ein künstliches neuronales Netz (KNN) wird die Reinigungsleistung stabilisiert und verbessert und gleichzeitig der Energieverbrauch weiter gesenkt. Auch die Vorhersage von Energieverbrauch und Energiebedarf wird durch das System verbessert. Das KNN ist bereits auf der Anlage installiert und derzeit in der Test- und Parametrisierungsphase. Es wird insgesamt das Ziel verfolgt, Stromerzeugung und -verbrauch im Hauptklärwerk in Echtzeit auszuregeln und keinen zusätzlichen Strom mehr aus dem öffentlichen Netz zu beziehen. Die Einrichtung eines virtuellen Kraftwerkes zum optimierten Einsatz des auf der Anlage erzeugten Stromes für den Eigenverbrauch oder aber auch für die Abgabe von Überschüssen an den Energie- und Technikpark ist ebenfalls in der Umsetzung. Das virtuelle Kraftwerk beinhaltet auch die weiteren Geschäftsfelder der SWT. Das Gesamtprojekt des energieeffizienten Hauptklärwerks Trier wurde im Jahr 2017 mit dem VKU (Verband kommunaler Unternehmen)-Innovationspreis ausgezeichnet.

Der Energie- und Technikpark Trier – mehr als ein ökoeffizientes Konversionsprojekt

In direkter Nachbarschaft zum Hauptklärwerk ist das Gelände eines Industriebetriebes frei-geworden. Die darauf befindlichen Gebäude und Hallen unterschiedlichen Alters und Bauzustandes wurden früher als Lager- und Produktionshallen für Kartonagen genutzt. Die SWT haben die Industriebrache erworben.

Das Areal wird in einem Konversionsprojekt zu einem von den technischen Einheiten der Stadt Trier und der SWT gemeinsam genutzten Betriebshof, dem Energie- und Technikpark (ETP), entwickelt und soll bis 2020 komplett bezugsfertig sein. Es ist geplant, dass die ersten städtischen Einheiten Ende 2018 einziehen. Die Zusammenführung der Einheiten im ETP führt zu Synergieeffekten und bietet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beider Institutionen moderne und zukunftsweisende Arbeitsplätze.

Das Projekt bietet die Möglichkeit der Gestaltung von modernen Arbeits- und Bürokonzepten. „Green Workingplaces“ heißt das Schlagwort.Darunter werden nicht nur Aspekte der Energie- und Ressourceneffizienz verstanden, sondern auch Aspekte einer nachhaltigen Arbeits- und Bürogestaltung. Dadurch können zum einen die Mobilitätskosten für das Unternehmen und seine Mitarbeiter reduziert werden. Zum anderen werden Zufriedenheit und Leistung erhöht.

Im Projekt ETP ist nachhaltiges, energieeffizientes Bauen ein grundlegendes Element. Die Umsetzung von Cradle to Cradle®-Gebäuden (Umnutzung von Bestandsgebäuden) ist geplant.

Cradle to Cradle®-Gebäude sind ökoeffektiv. Anstatt die linearen Stoffströme heutiger Produktionsweisen zu verringern, sieht das Cradle to Cradle®-Konzept deren Umgestaltung in zyklische Nährstoffkreisläufe vor, so dass einmal geschöpfte Werte erhalten bleiben. Die Wertschöpfungskette wird vom Rohstoff bis zum Verbleib des Produkts betrachtet und ruht auf den 3 Prinzipien „Abfall ist Nahrung“, „Nutzung erneuerbarer Energien“ und „Unterstützung von Diversität“. Es werden also Gebäude geschaffen, die Nährstoffe an die Umwelt zurückgeben und ein Stoffstrommanagement ermöglichen. Ziel ist es, eine bebaute Umwelt zu schaffen, die so effektiv ist wie die Natur. Dieses Prinzip des Gebäudebaus passt in die Philosophie des Energie- und Technikparks Trier.

Die SWT beabsichtigen mit dem Energie- und Technikpark nicht nur ein Industriekonversionsprojekt im Sinne einer innovativen nachhaltigen Stadtentwicklung umzusetzen, sondern definieren ein Nachhaltigkeitsprojekt, mit dem auch CO2-neutral erzeugte Überschussenergie aus dem Hauptklärwerk in direkt räumlich benachbarte Nutzungen (EnergieRaum) gebracht werden kann. Ziel ist es einen energieautarken Standort zu schaffen.

Im Bereich der Ausbildung ist eine Kooperation zwischen Stadt, SWT und Handwerkskammer sowie der Hochschule geplant. Hiermit wird die Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft intensiviert und verbessert. Zum anderen besteht die Möglichkeit, dem auf Grund der demografischen Entwicklung bereits teilweise bestehenden und zukünftigen Fachkräftemangel, u.a. mit attraktiven Arbeitsstätten, frühzeitig aufzunehmen und frühzeitig aktiv zu gestalten. Der mit der Hochschule gegründete ThinkTank „DenkWerk:Energie“ wird als Keimzelle der energetischen Fragestellungen von morgen gesehen.

Der ETP Trier bietet die Möglichkeit neue Verfahren und Technologien zu erproben. Die Ergebnisse daraus sowie deren Replizierbarkeit sind Ausgangsbasis für die Erschließung neuer Geschäftsfelder („Verbraucher folgt der Energieerzeugung“) für die SWT und ihrer Partner. Zum anderen leisten die Ergebnisse einen Beitrag zur Entwicklung der ländlichen Regionen rund um Trier hin zur CO2-Neutralität.

Der vorgestellte Projektansatz eines gemeinsamen Betriebshofes der SWT und der Stadt Trier im ETP mit dem Zentralelement der Überschussenergienutzung eines Klärwerks ist für Rheinland-Pfalz einmalig und bietet vielfältige Weiterentwicklungs- und Übertragungsmöglichkeiten auf andere vergleichbar strukturierte ländliche Räume in Deutschland.

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